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TCM-Naturheilpraxis
Akupunktur & Shiatsu
Zürich

Ganzheitliche Behandlungsmethoden für Ihr individuelles Wohlbefinden

Qi

Qi wird oft mit „Lebensenergie“ übersetzt – ein Bild, das naheliegt, aber nur einen Teil dessen trifft, was in der Chinesischen Medizin damit gemeint ist.
Was verbirgt sich hinter diesem zentralen Begriff, und warum lässt er sich kaum in eine westliche Sprache übertragen?

Alexander Siegenthaler

Alexander Siegenthaler

Eidg. dipl. Naturheilpraktiker TCM

Warum „Energie“ die falsche Übersetzung ist

Wer zum ersten Mal mit Chinesischer Medizin in Berührung kommt, hört meist, Qi sei „Lebensenergie“. Das ist nicht falsch, aber es ist auch nicht wirklich richtig. Im Westen denken wir beim Wort „Energie“ an etwas Physikalisches, das messbar ist.
Qi ist weder Stoff noch Kraft im physikalischen Sinn, sondern ein Prinzip von Bewegung und Beziehung, das die ständige Veränderung lebendiger Prozesse ermöglicht.
Qi existiert auch unter anderen Begriffen, die äquivalent sind: Im Japanischen als „Ki“, im Ayurveda als „Prana“ oder – mit leicht anderer Bedeutung – im christlichen Kontext als „Odem“.
Um zu verstehen, was damit gemeint ist, braucht es einen Blick auf eine viel ältere Frage: Wie ist alles untereinander verbunden?

Qi zeigt sich in allen Vorgängen der Natur

Wolken als Sinnbild für das ständige Werden und Vergehen, das Qi beschreibt

Alles ist Bewegung, nicht Substanz

Vor rund drei Jahrtausenden beobachteten chinesische Gelehrte die Bewegungen und Veränderungen in der Natur und versuchten, Muster darin zu erkennen. Aus dieser Beobachtung entstand eines der ältesten chinesischen Bücher, das YiJing („Buch der Wandlungen“). Seine Grundannahme lautet: Die Welt besteht nicht aus festen Dingen, die sich gelegentlich bewegen, sondern umgekehrt – „Bewegung ist das Ursprüngliche, und Dinge sind nur ihre vorübergehend verdichtete Form.“ Ein Stein, eine Wolke, ein Mensch: alles ist aus dieser Sicht eine Momentaufnahme eines fortwährenden Fliessens. Yin und Yang, die zwei grundlegenden Energiequalitäten in der Chinesischen Medizin, wandeln sich fortlaufend und bewegen das Qi.

Ein zentraler Satz aus einem alten Kommentar zum YiJing bringt das auf den Punkt:

Entstehen ist Verdichtung, Vergehen ist Auflösung.

Qi vermittelt zwischen diesen beiden Zuständen. Es ist weder reine Materie noch reiner Geist, sondern führt Materie in Geist und Geist in Materie über.
Den Begriff „Qi“ in eine westliche Sprache zu übersetzen ist deshalb so schwer, weil wir gewöhnlich scharf zwischen Materiellem und Nicht-Materiellem unterscheiden. Die chinesische Kosmologie kennt diese Trennung so nicht.

Qi als Klima

Aus dieser Grundidee entwickelte sich eine differenzierte Vorstellung davon, wie sich das grosse, unsichtbare Qi des Himmels konkret bemerkbar macht: als Klima. Der Mensch als Teil der Natur wird vom Wetter beeinflusst, weil er in einem energetischen Austausch mit seiner Umgebung steht, was ihn ebenso prägt wie Ernährung oder Gene. Dieses Wechselspiel lässt sich mit den 5 Wandlungsphasen (5 Elementen) noch feiner differenzieren.
In sich selbst erlebt der Mensch ebenso „klimatische Zustände“ wie zum Beispiel ein feuriges oder kühles Temperament und viele weitere Zustände des Befindens. Sind diese Ungleichgewichte ausgeprägt, können sie zu körperlichen und psychischen Erkrankungen führen. Behandelt wird vor allem das zugrunde liegende Problem, damit die Symptome „wie von selbst“ verschwinden, also ein harmonischer Kontakt zur Umwelt wieder möglich wird.

Qi im Körper

Qi auf der Ebene des Körpers ist ein Sammelbegriff für ganz unterschiedliche Funktionen:

  • „Abwehr-Qi“ zirkuliert nahe der Körperoberfläche und reagiert unmittelbar auf Reize von aussen – vergleichbar mit einem ersten, instinktiven Schutzreflex.
  • „Aufbau-Qi“ zirkuliert tiefer, zusammen mit dem Blut, und versorgt die Organe – die Ebene der stillen, kontinuierlichen Erhaltung.
  • „Ursprungs-Qi“ sitzt in der Tiefe, wird bei der Geburt gewissermassen „mitgegeben“ und bildet die konstitutionelle Grundausstattung eines Menschen – eine Körperintelligenz, welche alles steuert, vergleichbar mit dem, was wir heute genetische Veranlagung nennen.
  • „Nahrungs-Qi“ ist das Qi, welches wir uns durch die Aufnahme von Nahrungsmitteln zuführen.
  • „Sammel-Qi“ befindet sich im Brustraum und wird mit Atmung und Herzschlag in Verbindung gebracht. Für manche Lehrer ist dies die Ebene, auf der jemand spürbar erfährt, „woher er kommt“: familiäre, biografische Prägungen, die sich buchstäblich im Brustkorb als Enge oder Schwere bemerkbar machen können.

Diese Ebenen sind keine getrennten Qi-Formen, sondern gehen ineinander über – die eine kann die andere nähren, erschöpfen oder blockieren.
Deshalb wird in einer guten Diagnose in der Chinesischen Medizin nicht nur gefragt, wo es schmerzt, sondern auch: „Auf welcher Ebene (körperlich, mental, emotional und im Kontakt zur Umwelt) zeigt sich ein Ungleichgewicht?“
Qi ist nicht statisch vorhanden oder abwesend, sondern zeigt sich in der Qualität einer Bewegung: fliessend oder gestaut, kräftig oder erschöpft, geordnet oder chaotisch.

Rolle des Qi in der Chinesischen Medizin

Diese Sichtweise erklärt die Art der Behandlung in der Chinesischen Medizin. Wenn Krankheit im Kern eine Störung des Fliessens ist – eine Stelle, an der Verdichtung und Auflösung nicht mehr im Gleichgewicht sind –, dann zielen Akupunktur, Tuina oder Shiatsu nicht in erster Linie darauf, ein defektes Teil zu reparieren, sondern darauf, eine blockierte Bewegung wieder in Fluss zu bringen. Blockiertes Qi in Fluss zu bringen, lässt einerseits störende Symptome abklingen und eröffnet andererseits bislang verborgene Ressourcen, was als Wohlbefinden, Gesundheit und Kraft erlebt werden kann.
Das erklärt auch, warum dasselbe Symptom bei zwei Menschen ganz unterschiedlich behandelt werden kann: Es geht nicht um die Diagnose eines statischen Zustandes, sondern um das Verstehen eines individuellen Ungleichgewichts im Bewegungsmuster – körperlich, klimatisch und psychisch zugleich.
Die Aktivierung einzelner Akupunkturpunkte und ganzer Meridiane wird eingesetzt, um grössere Harmonie in vorhandene Ungleichgewichte zu bringen. Qigong ist eine Bewegungskunst, welche uns kräftigt und harmonisiert.

Qi auf den Punkt gebracht

Qi bezeichnet die natürlichen Bewegungen von Werden und Vergehen sowie die Bezüge zwischen Körper und Umwelt wie auch zwischen Materie und Bewusstsein. Es ist keine Substanz, die man hat oder nicht hat, sondern eine energetische Bewegungsqualität, die man beobachten, spüren und – mit den Mitteln der Chinesischen Medizin – behutsam wieder ins Fliessen bringen kann.

Weitere Begriffe rund um Chinesische Medizin und Gesundheit finden Sie im Glossar ➚.


Das Lesen dieser Seite ersetzt weder eine sorgfältige Diagnose noch eine entsprechende Behandlung durch eine medizinische Fachperson.

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